Donnerstag, 19. April 2007

Manipulationsvorwürfe gegen die CeWe Color AG

Anlegeranwälte sind alarmiert: „Kleinanleger zahlen drauf“

Bremen / Oldenburg. Der Bremer Anlegeranwalt Jens-Peter Gieschen warnt, im Kampf gegen so genannte Heuschrecken jedes Augenmaß zu verlieren. Anlass sind die Vorwürfe gegen die Oldenburger CeWe Color AG. Der Vorstandvorsitzende und der Chef des Aufsichtsrats des Fotoentwicklers stehen nach Medienberichten in Verdacht, Pläne zur Manipulation des Aktienkurses geschmiedet zu haben, um durch einen „Kursrutsch“ unliebsame US-Großaktionäre zum Rückzug aus dem Unternehmen zu bewegen.

„Der Zweck heiligt eben nicht jedes Mittel“, meint Rechtsanwalt Gieschen von der Anlegerschutzkanzlei KTAG. Bei allem Respekt vor dem Bemühen, ein Unternehmen in deutscher Hand zu behalten, müssten die Regeln des Aktienrechts eingehalten werden. Dem Vorstands- und dem Aufsichtsratsvorsitzenden der CeWe Color AG wird vorgeworfen, sie hätten angeblich Anfang des Jahres beraten, wie der Kurs der Aktie auf unter 30 Euro gedrückt werden könnte. Nach Angaben einer Zeitung sollte dazu eine geplante, aber erst später realisierte Gewinnwarnung dienen. Das Unternehmen hat den entsprechenden Zeitungsbericht als absurd zurückgewiesen, räumt aber inzwischen ein, dass „verschiedene Szenarien der Geschäftsentwicklung“ besprochen worden seien.

Die Oldenburger Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Hubert Rothärmel wegen angeblichen Insiderhandels. CeWe Color wehrt sich im Gegenzug mit einer Anzeige wegen Geheimnisverrats. Auch die Finanzaufsichtsbehörde BaFin hat Ermittlungen aufgenommen. Rechtsanwalt Gieschen hält die Vorwürfe der Kursmanipulation für „geradezu ungeheuerlich“, dennoch nicht für gänzlich abwegig: „Das wäre schon ein ziemlicher Hammer, wenn Vorstand und Aufsichtsrat nach Gutdünken den Aktienkurs manipulieren.“

Das Ansinnen der Investoren aus den USA, eine Sonderausschüttung bei CeWe Color durchzusetzen, hatte weit über die Region hinaus für Aufsehen gesorgt. Von einer Zerschlagung des Fotoentwicklers durch Heuschrecken war die Rede.

CeWe Color bekam in den vergangenen Monaten viel Unterstützung unter anderem von Oldenburger Lokalpolitikern und sogar der Niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte sich zu Wort gemeldet.

Die US-Investoren MarCap, K Capital und Guy Wyser-Pratt halten zusammen knapp 23 Prozent der Anteile und setzen den CeWe-Vorstand seit Monaten unter Druck. Etwa 35 Prozent der CeWe-Color-Aktien sollen nach Unternehmensangaben in Privatbesitz sein.

Gerade die Kleinaktionäre sind nach Ansicht von Gieschen die eigentlichen Leidtragenden: „Die zahlen am Ende nämlich drauf.“ Durch den Verkauf von CeWe-Color-Aktien an die Pensionskasse des Unternehmens, mit dem offenbar die Stimmanteile zu Gunsten des Managements verschoben werden sollten, sei das Papier seither um etwa zehn Prozent gefallen, heißt es in Medienberichten.

Am kommenden Donnerstag soll in Oldenburg die Hauptversammlung der CeWe Color AG stattfinden. Rechtsanwalt Gieschen warnte davor, leichtfertig das Vertrauen der Anleger aufs Spiel zu setzen. Wenn die Aktionäre wählen könnten zwischen einem Management, das Kurse manipulieren möchte und US-Investoren, die das Unternehmen zerschlagen wollen, sei das wie die Wahl zwischen „Pest und Cholera“.

Die KTAG – Anwälte raten Anlegern, die sich bereits an die Bremer Kanzlei gewandt haben, dringend persönlich an der bevorstehenden Hauptversammlungen teilzunehmen oder sich von : „Es kommt in dieser Situation tatsächlich auf jede Stimme an“, sagt Gieschen mit Blick auf die äußerst knappe Anteilsverteilung. Er möchte zurzeit jedoch keine Empfehlung abgeben: „Die Lage ist ausgesprochen verworren.“ Immerhin hatten Fondsexperten wiederholt behauptet, CeWe Color sei schlecht geführt und unterbewertet. Gerade der Trend zur digitalen Fotografie sei von den Oldenburgern verschlafen worden. „Die Aktionäre müssen sich auf der Veranstaltung einen eigenen Eindruck verschaffen. Unter
Umständen ist das Unternehmen bei einem US-Investor tatsächlich aufgehoben ist.“

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Bernd Frank

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