Freitag, 27. März 2015
Schiffsfonds

31.03.2015 - Schwarzer Dienstag für Lloyd-Schiffsfonds-Anleger ?

Die Lloyd Fonds AG will Anteilseigner von Einschiffsgesellschaften zu Aktionären machen. Aber eine gute Wahl haben die betroffenen Anleger der Lloyd-Schiffsfonds nicht wirklich. Rund 14.000 Anleger der Lloyd Fonds Schiffsportfolio I und II stimmen schon am Dienstag, dem 31.03.2015, über das Tauschangebot ab.

Berlin/Hamburg, 27.03.2015. Am 31.03.2015 sollen die ersten ca. 14.000 von   rund 18.000 betroffenen Lloyd-Schiffsfonds-Anleger darüber abstimmen, ob ihre Fondsanteile in Aktien des Hamburger Emissionshauses Lloyd Fonds AG umgewandelt werden.

"Wer sich das Angebot genauer anschaut, wird - angesichts der verlustgefährdeten Schiffsfonds einerseits und den Konditionen des Tauschangebots andererseits - feststellen, dass es nur um die Wahl des kleineren Übels geht", meint Rechtsanwalt Dietmar Kälberer von der auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Kanzlei Kälberer & Tittel in Berlin. Die Kanzlei vertritt Mandanten in diversen der betroffenen Fonds (insbesondere Lloyd Schiffsportfolio I, II und III). Beim Schiffsportfolio III wird sogar nur im schriftlichem Umlaufverfahren abgestimmt.

Nachdem das Tauschangebot von Schiffsbeteiligung gegen Aktien Anfang Februar bekannt wurde, verdoppelte sich der Kurs der Lloyd Fonds-Aktie – von etwa 1,25 Euro Anfang Februar auf etwa 2,55 Euro am 27. März. "Diese Kursexplosion ist kein Wunder, sondern ein Alarmzeichen. Je billiger die Lloyd Fonds AG an die Schiffe kommt, umso mehr wird der Kurs steigen. Diese Kursexplosion zeigt damit vor allem, dass die Schiffsfonds-Anleger durch dieses Umtauschangebot sehr stark benachteiligt werden", bewertet Rechtsanwalt Kälberer diese Kurssteigerung.

Trotz dieses hohen Kurses stellt sich aber die Frage: Wer zahlt für  eine Aktie, die an der Börse derzeit für etwa 2,55 Euro gehandelt wird, freiwillig 3,54 Euro?  Die Lloyd Fonds AG bietet nämlich Aktien (im Zuge einer Kapitalerhöhung) im Tausch gegen Anteile von Einschiffsgesellschaften zu einem Tauschkurs von 3,54 Euro je Aktie an. Dieser wurde auf der Basis einer Unternehmensbewertung durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ermittelt. Am Stichtag des Wertgutachtens – den 31.12.2014 – wurde die Aktie an der Börse nur zu Kursen um 1,18 Euro gehandelt.                                                                                             

Die Kanzlei Kälberer & Tittel bemängelt, dass die Anleger unzureichend und einseitig über das Umtauschangebot informiert wurden. Aus Sicht  der Kanzlei Kälberer & Tittel sind den meisten Anlegern folgende Probleme leider nicht bewusst:

1.    Anteile von Schiffsfonds sind derzeit faktisch nicht oder fast nicht mehr zu veräußern, Aktien schon. Es ist deshalb zu befürchten, dass viele Anleger nur zustimmen, um nach dem Umtausch ihre Aktien schnell zu verkaufen. Damit dürften die Anleger dann aber selbst für herbe Kursverluste sorgen.

2.    Die Schifffahrtskrise ist noch längst nicht überwunden. "Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Aktienkurs der Lloyd Fonds AG derart vervielfachen wird, dass die meisten Fondsanteilseigner ihre ursprüngliche Einlage zurückbekommen, schätzen wir gleich Null ein. Stattdessen werden die Anleger höchstwahrscheinlich noch mehr Verluste erleiden", meint Kälberer.

3.    Die Lloyd Fonds AG kann als Gründungskommanditistin bei vielen Fonds für etwaige Prospektmängel in Haftung genommen werden. Damit gilt: "Des einen Leid ist des anderen Freud. Wenn die Lloyd Fonds AG mehr Kapital hat, wird es auch Anlegerklagen gegen die Lloyd Fonds AG geben. Haftungsgegner mit "tiefen Taschen" werden primär in Anspruch genommen", warnt Rechtsanwalt Kälberer.

4.    "Im Wertgutachten ist der jüngste Anstieg des US-Dollars zum Euro nicht berücksichtigt", sagt Kälberer. "Allein durch den in den letzten Monaten weiter erstarkten US-Dollar dürften die Einschiffsgesellschaften deutlich an Wert gewonnen haben, was aber  im Tauschangebot auf Basis des 31.12.2014 nicht berücksichtigt ist."

5.    Das Umtauschangebot haben aber nicht alle Schiffsfonds erhalten, sondern wahrscheinlich nur die Schifffahrtsgesellschaften, deren finanzielle Aussichten noch relativ positiv sind. Welchen Grund haben diese Anleger aber dann, sich auf das Abenteuer Aktie einzulassen?

6.    Die Einflussmöglichkeiten eines Aktionärs sind nach Erfahrungen der Kanzlei Kälberer & Tittel  in der Regel noch schlechter als die eines Kommanditisten in einem Schiffsfonds.

Fazit: Das Umtauschangebot mag für das Hamburger Emissionshauses Lloyd Fonds AG ein großer Gewinn sein, die Anleger werden aber vermutlich die Zeche zahlen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Anleger das Umtauschangebot trotz der unzureichenden Informationen ablehnen werden.

Pressekontakt:
Bernd Frank

Tel. 030 / 887178-123
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