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Westfälische Grundbesitz und Finanzverwaltung AG – Insolvenz (WGF AG)

Die WGF AG ist ein im Jahr 2003 gegründetes Immobilienunternehmen. Das Unternehmen konzentrierte sich auf Projektentwicklung und den Immobilienhandel, wobei Wohn- und Gewerbeimmobilien aufgewertet und gewinnbringend verkauft werden sollten.

Die bankenunabhängige Finanzierung des Unternehmens erfolgte durch die Ausgabe von Hypothekenanleihen und Genussscheinen. Zwei der insgesamt acht Anleihen wurden bisher zurückgezahlt. Die Hypothekenanleihe WGFH06, welche am 15. Dezember 2012 zur Rückzahlung anstand, und die Anleihen mit den Wertpapierkennnummern (WKN) WGFH08, WGFH07, WGFH05, WGFH04 und A0LDUL sind von der Insolvenz betroffen. Daneben auch die Genussscheine mit den Kennnummern WGFH90 und WGFH91, deren Laufzeit bis in das Jahr 2019 reichen sollte.

Am 11.12.2012 hat die WGF AG die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Gleichzeitig wurde beantragt, das Verfahren in Eigenverwaltung durchführen zu können. Diesem Antrag hat das Amtsgericht mit Eröffnungsbeschluss vom 01.03.2013 stattgegeben, den Sie unter www.insolvenzbekanntmachungen.de unter dem Aktenzeichen 504 IN 269/12 einsehen können.

Welche Folgen hat das Insolvenzverfahren für die betroffenen Anleger?

Das Insolvenzverfahren verfolgt den Zweck, entweder die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens wiederherzustellen, oder durch ein geordnetes Verfahren die Forderungen der Gläubiger durch die Verwertung des Schuldnervermögens zu erfüllen.

Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens bewirkt, dass die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über das Schuldnervermögen (Insolvenzmasse) auf den Insolvenzverwalter übergeht. Damit soll der Zugriff der Gläubigergesamtheit auf die Insolvenzmasse sichergestellt und vor dem Zugriff Einzelner geschützt werden.

Die Insolvenzordnung bietet auf Antrag jedoch auch die Möglichkeit, das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchzuführen. Die Folge ist, dass der Schuldner die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über sein Vermögen behält, dabei jedoch durch den Sachwalter überwacht wird. Dies hat unter Umständen den Vorteil, dass die bisherige Geschäftsführung den Fortgang des Unternehmens besser, schneller und näher steuern kann. Ein entsprechender Insolvenzplan zur Sanierung der Gesellschaft wurde durch die WGF AG bereits erstellt. Dieser kann neben weiteren Informationen im geschützten Gläubigerbereich auf der Homepage der WGF AG abgerufen werden.

Die für Sie vorläufig wichtigste Information ist demnach, dass ein Totalverlust Ihres investierten Kapitals nicht automatisch eintritt. Erst der Fortgang des Insolvenzverfahrens wird diesbezüglich Klarheit bringen. Dafür ist es notwenig die vorhandene Masse (im Wesentlichen Immobilien) korrekt zu bewerten, ggf. durch weiterführende Geschäftstätigkeit aufzuwerten und möglicherweise den Erlös an die Gläubiger auszukehren.

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens müssen Sie Ihre Forderungen beim Sachwalter bis zum 26. April 2013 zur Insolvenztabelle anmelden. Die von Ihnen in den Händen gehaltene Forderung ist das in der Anleihe bzw. in dem Genussschein verbriefte Recht.

Die Insolvenz in Eigenverwaltung hat u.a. den Nachteil, dass Großgläubiger einen erheblichen Einfluss gewinnen können. Um dem entgegen zu wirken, ist es unabdingbar, dass sich die Anleihengläubiger organisieren und ggf. einen gemeinsamen Vertreter wählen, was auf der Gläubigerversammlung der Anleiheneinhaber möglich ist. Der Termin hierfür wurde vom Amtsgericht Düsseldorf auf Montag, 08.04.2013, Congress Center Düsseldorf, festgesetzt.

Am Mittwoch, 22.05.2013, 10:00 Uhr, ebenfalls im Congress Center Düsseldorf findet die offizielle Gläubigerversammlung zum Insolvenzverfahren der WGF AG statt. Bei dieser Versammlung kann, neben der Erörterung des Insolvenzplans, unter anderem auch die Aufhebung der Anordnung der Eigenverwaltung beantragt werden.

Welche Handlungsempfehlung kann die Kanzlei Kälberer & Tittel Rechtsanwälte geben?

Aus unserer Sicht ist es zunächst einmal wichtig, die von Ihnen gehaltenen Forderungen gegenüber dem Sachwalter anzumelden und die eingeräumten Rechte in den zwei Versammlungen geltend zu machen. Nur so lässt sich ein bestmöglicher Informationsfluss und die gebündelte Interessenvertretung gegenüber der WGF AG gewährleisten. Die Kanzlei Kälberer & Tittel Rechtsanwälte kann Ihnen die Vertretung bei den genannten Belangen anbieten. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Welcher Schaden sich dann letztlich realisiert, kann derzeit nicht prognostiziert werden und hängt unter anderem von der Ausübung der genannten Mitwirkungsrechte ab.

Da der Vertrieb der Anleihen und Genussscheine über mehrere Banken (DAB Bank, Cortal Consors, Sparkassen, Volksbanken etc.) verlief, könnten sich verschiedentliche Beratungsfehler realisiert haben. Die Folge sind unter Umständen Schadenersatzansprüche gegen die beratenden Banken.

Einen weiteren rechtlichen Ansatzpunkt stellt möglichweise die sog. Prospekthaftung dar. Daneben kommen auch strafrechtlich relevante Ansprüche in Betracht.

Ob und gegen wen (Solvenz des Anspruchsgegners) sich solche Ansprüche durchsetzen lassen, kann derzeit nicht abschließend beurteilt werden. Neben den individuellen Voraussetzungen, die jeweils gesondert geprüft werden müssen, hängt die weitere Beurteilung wesentlich vom Fortgang des Insolvenzverfahrens und vertieften Informationen zu den Anleihen ab. Zu beachten sind jedoch die teils kurzen Verjährungsfristen! Für die Anleihe WGFH06 verjährt der Anspruch aus Prospekthaftung im engeren Sinne bereits zum 26. April 2013.

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