Nordcapital Offshore 5 | Aktuelle Rechtsfälle

Abstimmung über Vorratsbeschluss zum Verkauf des Schiffes

Nordcapital Offshore Fonds 5: Insolvenz droht

Der geschlossene Schiffsfonds Nordcapital Offshore Fonds 5 (MS "E.R. Luisa") ist laut einem Schreiben der Fondsgeschäftsführung in akuter Insolvenzgefahr. Für das Schiff "E.R. Luisa" wurde keine Verlängerung der Petrobras-Charter in Brasilien erreicht, wie es in dem Rundschreiben an die Fondsgesellschafter heißt. Es ergebe sich bereits kurzfristig ein erheblicher zusätzlicher Liquiditätsbedarf für die Schifffahrtsgesellschaft – bis Ende 2016 voraussichtlich etwa 2,525 Mio. US-Dollar für Zinsen, Tilgung und Schiffsbetrieb, die nicht aus der vorhandenen Liquidität gedeckt werden könnten. "Es besteht damit das Risiko der Zahlungsunfähigkeit und einer Insolvenz bereits Anfang 2016", heißt es in dem Rundschreiben an die Anleger weiter.

Konsequenz: Nun sollen die Fondsbeteiligten über einen Vorratsbeschlusss zum Verkauf des Schiffes (im Zeitraum bis 31. März 2016) abstimmen. Für das Abstimmungsverfahren ist eine Frist bis zum 8. Oktober gegeben, bis dahin sollen Anleger ihre Abstimmung vornehmen.

Als Alternativen zum Schiffsverkauf hat die Geschäftsführung laut dem Schreiben zwei Möglichkeiten ins Auge gefasst:

  • Erstens die Umsetzung eines Liquiditätssicherungskonzepts zum Weiterbetrieb des Schiffes (u. a. mit "signifikanten" finanziellen Beiträgen der Investoren, als Eigenkapital oder Darlehen).
  • Zweitens eine längerfristige kostendeckende Bareboat-Vercharterung des Schiffes (mit entsprechenden steuerlichen Auswirkungen für die Investoren, die zur Zeit geprüft würden).

Gespräche über Tilgungsaussetzungen

Ziel sei erst einmal, etwas Zeit zu gewinnen, heißt es. Der Vertragsreeder habe Gespräche mit der finanzierenden Bank aufgenommen und werde mit dieser zunächst über kurzfristige Tilgungsaussetzungen verhandeln.

Weiter heißt es in dem Schreiben: Für Ende November 2015 plane die Geschäftsführung eine Gesellschafter- und Treugeberversammlung als Präsenzveranstaltung in Hamburg.

Kein weiteres Geld nachschießen!

Unsere Einschätzung: Wir empfehlen die Zustimmung zu dem Vorratsbeschluss. Ein freihändiger Verkauf ist immerhin besser als am Ende ein Zwangsverkauf. Dagegen raten wir allerdings den Fondsanlegern davon ab, weiteres Geld in diesen Fonds zu investieren, wie es ein Liquiditätssicherungskonzept erfordern würde.

Prognosen verfehlt

"Überdurchschnittliches Ertragspotential im dynamisch wachsenden Offshore-Markt", hieß es im Fondsprospekt aus dem Jahr 2009, und "Attraktive Auszahlungen: 8% jährlich bei kurzer Fondslaufzeit prognostiziert". Bei dem Schiff "E.R. Luisa" handelt es sich um einen sogenannten Anchor Handler (AHTS) der oberen Größenklasse zum Positionieren und Versorgen von Gas- und Ölplattformen. Die Investoren steckten ca. 25 Mio. Euro in den Fonds, die Mindestbeteiligung betrug 15.000 Euro (plus 5% Agio). Aber schon 2009 war die Schifffahrtskrise mit deutlich sinkenden Charterraten im Gange. Die Vertriebsbanken, die Kunden diesen Fonds damals zur Anlage empfohlen haben, hätten auf die Risiken einer solchen Beteiligung (bis hin zum Totalverlust) hinweisen müssen.

Über Risiken nicht richtig informiert - Klagemöglichkeiten

Oft aber klärten Banken in der Beratung nicht ausreichend über die Risiken und/oder Kosten (insb. Vertriebsprovisionen) auf. In Fällen von Falschberatung oder wenn der Prospekt nicht rechtzeitig übergeben wurde, haben Kunden Anspruch auf Schadensersatz. Sollten Sie weitere Informationen benötigen bzw. Fragen haben – wir helfen Ihnen gerne weiter.

02.10.2015, von André Tittel

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