MPC Santa-R-Schiffe | Aktuelle Rechtsfälle

MPC Santa-R: Fondsgeschäftsführung stellt Insolvenzantrag

Insolvenz beim Schiffsfonds MPC Santa-R

Die Fondsgeschäftsführung der Beteiligungsgesellschaft MS "SANTA-R Schiffe" mbH & Co. KG sowie der sieben Schifffahrtsgesellschaften haben für diese am 4. November Insolvenzantrag gestellt. Das teilte die Treuhandgesellschaft TVP ihren Anlegern mit. Unserer Kanzlei liegt ein entsprechendes Schreiben an einen unserer Mandanten, datiert am 7. November 2013, vor. Darin heißt es, dass seit Anfang letzten Jahres intensiv nach einer nachhaltigen Finanzierungslösung gesucht worden sei, um den Fortbestand der Gesellschaften zu sichern. "Letztlich musste die Geschäftsführung der Schifffahrtsgesellschaften jedoch erkennen, dass trotz aller Bemühungen eine sowohl für die Gesellschafter als auch für die Banken umsetzbare Lösung nicht zu erzielen ist", so die TVP.

Weiter heißt es: Über das weitere Vorgehen werde der Insolvenzverwalter entscheiden, was bedeuten könne, dass die Gesellschafter weder Rückflüsse aus dem Alt- noch aus dem 2010 gezeichneten Neukapital erhalten und der Insolvenzverwalter "sehr wahrscheinlich" die bisherigen Auszahlungen bis zum vollen Betrag einfordert.

Ebenfalls vom 7.11. an die Gesellschafter ist ein Schreiben von der Hamburger Vertragsreederei Claus-Peter Offen (GmbH & Co.) KG, die selbst mit einem Eigenkapital von 12,7 Mio. Euro oder 13,7% als größter Einzelgesellschafter beteiligt ist. Darin heißt es, nach zahlreichen, langwierigen Verhandlungsrunden mit den Banken und nach zwei Kapitalerhöhungen in Höhe von insgesamt mehr als 30 Mio. Euro hätten die Banken die Beträge als zu gering erachtet, um ihrerseits durch Tilgungsaussetzungen einen Beitrag zu leisten. Bei der ohnehin schwierigen Ertrags- und Liquiditätslage habe sich zudem im Sommer 2013 das Charterratenniveau dramatisch auf 8.000 US-Dollar pro Tag verschlechtert.

Soviel zu dem, was die Reederei und die Treuhandgesellschaft schreiben.

Frühzeitig gewarnt

"Wir hatten bereits im Herbst letzten Jahres in gesonderten Schreiben die Santa-R-Anleger davor gewarnt, dass sie mit einem Totalverlust ihres eingesetzten Kapitals und mit der Rückforderung bereits erhaltener Ausschüttungen rechnen müssen und dass nach unserer Auffassung zusätzliches Kapital die Insolvenz wahrscheinlich nur verzögern, aber nicht verhindern kann", sagt Anlegeranwältin Quast. Ein "Warten auf bessere Zeiten", um den Fonds mit frischem Kapital mehr Zeit zu geben und bei einer Erholung des Chartermarktes die Schiffe zu höheren Preisen verkaufen zu können, werde sich nicht lohnen.

Auch beim Santa P-Fonds war von den Fondsgesellschaftern frisches Kapital angefordert worden. Trotzdem sind die Sanierungskonzepte gescheitert. "Und beim Fonds Santa B ist der Verkauf der Schiffe bereits beschlossen", so Anwältin Quast. "Beim Santa L laufen dagegen die Festcharterverträge noch bis 2017 - aber danach müssen die Schiffe neu verchartert werden, möglicherweise zu erheblich niedrigeren Preisen, und der Fonds läuft noch bis mindestens 2021. Anleger sollten sich deshalb auch hier nicht in falscher Sicherheit wiegen."

Anders als beim Fonds "MPC Santa-R Schiffe", der von den Anlegern vor mehr als zehn Jahren gezeichnet wurde, ist für Anleger der Schwesternfonds die zehnjährige Verjährungsfrist für die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen noch nicht abgelaufen. "Sie haben noch die Chance auf Schadensersatz, wenn beispielweise die beratende Bank sie nicht über den Erhalt und die Höhe der so genannten Rückvergütung aufgeklärt hat", so Anwältin Quast. "Bei den Santa-Fonds waren nach unserer Kenntnis deutlich über dem Marktdurchschnitt liegende Vertriebsprovisionen geflossen."

Häufig Falschberatung bei der Bank

Nach BGH-Rechtsprechung muss ein Bankberater den Anleger ungefragt über die Rückvergütung aufklären. Tut er dies nicht oder macht falsche Angaben über die Höhe der Rückvergütung, so liegt eine Falschberatung vor.

Bei Schiffsfonds haben Vertriebsbanken oft fehlerhaft beraten; zahlreiche Gerichtsurteile bestätigen die Klagechancen von Anlegern. "Wir haben bereits in vielen Fällen für Mandanten den vollen Ausgleich ihres eingesetzten Kapitals bei geschlossenen Fonds erstritten. In vielen Urteilen wurden die Anleger so gestellt, als hätten sie die Beteiligung nicht gezeichnet", sagt Anlegeranwältin Quast. Anleger der MPC-Fonds Santa B, Santa P und Santa L sollten nun individuell prüfen lassen, ob sie falsch beraten wurden und ob gute Chancen auf Schadensersatz bestehen. ;"Dies kann aber jeweils nur im Einzelfall bewertet werden." Allerdings ist bei Santa L und Santa P wegen der zehnjährigen Verjährungsfrist Eile geboten, da diese Fonds bereits ab 2003 gezeichnet wurden.

12.11.2013, von Stephanie Quast

Achtung!
Ansprüche verjähren nach Ablauf von 10 Jahren ab Zeichnungsdatum!

Beispiel:
Zeichnung am 22.03.2007
Verjährung am 22.03.2017

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