MPC CPO Nordamerika 2 | Aktuelle Rechtsfälle

MPC CPO Nordamerika-Schiffe 2: Höchste Seenot !

Zu dem Fonds gehören fünf 4.255-TEU-Panamax-Vollcontainerschiffe, die im Jahr 2009 abgeliefert wurden. Einige Zahlen zunächst vorweg. Emissionsvolumen / einzuwerbendes Kommanditkapital laut Prospekt: ca. 87 Mio. Euro (plus 5% Agio). Gesamt-Kommanditkapital (inkl. Agio; inkl. Eigenkapital der Reederei Claus-Peter Offen und anderer Gründungsgesellschafter): rd. 101,3 Mio. Euro.

Gesamthöhe der Provisionen laut Emissionsprospekt: rd. 23,4 Mio. Euro. Bezogen auf das von Privatanlegern eingezahlte Kommanditkapital ist das mehr als ein Viertel.

Das Investitionsvolumen (inkl. Vergütungen und Nebenkosten) von insgesamt rund 282 Mio. Euro wurde zu rd. 64%, also knapp zwei Dritteln, über Fremdkapital finanziert.

Eine erstmalige Kündigungsmöglichkeit besteht erst zum 31.12.2026. Die prognostizierten Ausschüttungen wurden ansteigend von 6,00% für 2010 auf 6,25% p.a. für die Jahre 2011 bis 2013, 6,50% p.a. für 2014-2015 usw. angegeben. Die Anleger sollten "vom internationalen Wachstumsmarkt Containerschiffsverkehr profitieren".

Die damalige Hypovereinsbank, die u. a. die Fondsbeteiligungen im Jahr 2009 an Kunden vermittelt hatte, warb zudem damit, dass Privatanleger eine "hohe, attraktive Ausschüttung inkl. Veräußerungserlös von insgesamt ca. 239% nach Steuern" (bezogen auf die Kapitaleinlage) erzielen könnten – bei erwartungsgemäßem Verlauf.

Keine Ausschüttungen – Positive Fortführung gefährdet

Heute stellt sich die Situation aber deutlich anders dar. Die Schiffe hatten damals Charterverträge über jeweils fünf Jahre. Aufgrund der erheblich gesunkenen Charterraten bei Containerschiffen sind die Anschlusscharter nun deutlich niedriger.

Im Kurzreport der Treuhandgesellschaft TVP vom 25. November 2014 heißt es lapidar: "Auszahlungen sind vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situation aktuell nicht zu erwarten." Bevor Auszahlungen geleistet werden könnten, sei eine nachhaltige Erholung des Chartermarktes für Panamax-Schiffe erforderlich. Nach unserer Einschätzung ist dies auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Zudem besteht konkret die Gefahr von Darlehenskündigungen. So heißt es im Kurzreport auch weiter: "Um eine positive Fortführung des Geschäftsbetriebs in den kommenden Jahren sicherzustellen, sind die von der HSH Nordbank AG finanzierten Schiffe auf ein deutliches Entgegenkommen der finanzierenden Bank ... … angewiesen." Das bedeutet aus unserer Sicht nichts anderes als: Der Fonds ist in höchster (See)Not.

Fondsvertrieb mitten in die ausbrechende Finanzkrise hinein

Der Vertrieb des vom Hamburger Emissionshaus Münchmeyer Petersen Capital (MPC) initiierten Fonds erfolgte 2008 und noch in den Anfangsmonaten 2009. Das heißt, der Fonds wurde von den Banken zu einer Zeit vertrieben, als die Finanzkrise zunächst bereits am Horizont erkennbar war und dann auch schon - letztlich ausgelöst durch die Lehman-Pleite am 15. September 2008 - vollends ausbrach. Zudem war zur Zeit des Fondsvertriebs auch längst bekannt, dass der Panamakanal ausgebaut wird und damit Schiffe der Panamax-Klasse künftig an Wettbewerbsfähigkeit verlieren würden, was sich wiederum negativ auf die erzielbaren Charterraten auswirken sollte.

In der Anlageberatung damals vor Zeichnung dieser Fondsbeteiligung hätten Anleger über die Konsequenzen des Panamakanal-Ausbaus für die Wirtschaftlichkeit der Fondsschiffe aufgeklärt werden müssen. Tatsächlich aber wurden in vielen Beratungen die Risiken dieser Anlage – die Schifffahrtsmärkte unterliegen ohnehin traditionell großen Schwankungen – nicht ausreichend dargestellt. Zudem stellt sich die Frage: Wurden Sie über die immensen  Vertriebsprovisionen (Rückvergütungen), die die Banken vereinnahmt haben, informiert?

Chancen auf Rückabwicklung und Schadensersatz

Wurde Ihnen in der Beratung erklärt, dass dies eine unternehmerische Beteiligung mit großen Risiken – bis hin zum Totalverlustrisiko – ist? Wenn dies nicht geschah und Ihnen der Fonds möglicherweise sogar zur Altersvorsorge empfohlen wurde, dann deutet dies auf eine fehlerhafte Beratung hin. Solche Beratungsmängel können Ansprüche auf Schadensersatz durch die beratende Bank begründen. Dies ist auch dann der Fall, wenn Ihnen verdeckte Vertriebsprovisionen (Rückvergütungen / Kick-Backs), die die Bank für die Vermittlung der Fondsanlage vereinnahmt hat, verschwiegen wurden.

Die Anspruchsgrundlagen und die Erfolgschancen einer Klage auf Schadensersatz müssen jedoch in jedem Fall individuell geprüft werden. Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich gerne an uns – wir helfen Ihnen weiter.

26.02.2015

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