Marktbericht Containerschiffsmärkte 2016/2017

ISL sieht weiterhin Überkapazitäten und Druck auf die Charterraten

14.10.2016

Reduzierte Ablieferungen und gestiegene Verschrottungszahlen haben das Wachstum der Vollcontainerflotte verlangsamt. So weit die „gute“ Nachricht. Allerdings: „Die Nachfrage zeigte sich in den ersten Monaten des Jahres 2016 weiterhin ungewöhnlich schwach und belebte sich erst zur Mitte des Jahres leicht“, so das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) in seinem jüngsten Marktbericht. Zusammengefasst bedeutet dies, dass das Überangebot an Schiffen bis dato erhalten blieb und weiterhin auf die Frachtraten drückt! „Die Branche leidet zur Mitte des Jahres 2016 unter der Überkapazität.“

Besonders betroffen sind die alten Containerfrachter mit Kapazitäten um 4.000 TEU. Deren auf die alte Schleusen-Breite des Panamakanals ausgerichtete Größe ist nach dem Ausbau des Kanals nun nicht mehr vorteil-, sondern nachteilhaft. „Bei Tageseinnahmen unter Betriebskostenniveau“, so das ISL in seinem Marktbericht im Auftrag des Fondshauses MPC Capital, „und kaum Aussichten auf alternative und wettbewerbsfähige Einsatzgebiete“ werde voraussichtlich eine große Zahl  der alten Panamax-Schiffe außer Dienst gestellt werden bzw. in die Verschrottung gehen.

Flottenkapazität plus 5,2% - schwacher Marktausblick

Die Flotte der Vollcontainerschiffe belief sich laut einer Auswertung der CRSL-Datenbanken (Clarkson Research Services Limited) Mitte des Jahres 2016 auf 5.212 Schiffe mit einer Gesamtkapazität von rund 20 Mio. TEU. Im Vergleich zur Jahresmitte 2015 stieg die Flottenkapazität also um 1,0 Mio. TEU, was einer Zunahme um 5,2% entspricht. Die Wachstumsdynamik hat demnach nachgelassen, betrachtet man die Kapazitätssteigerung um 8,4% im Gesamtjahr 2015. Ursache für die verlangsamte Expansion ist laut ISL „der schwache Marktausblick“.

Für 2017 prognostiziert das Institut - nach Auswertung von CRSL-Daten – für die Vollcontainerflotte weltweit ein Plus beim nominalen Auftragsbestand von 6,3%; unter Berücksichtigung wahrscheinlicher Verschrottungen und Verschiebungen verbleibe voraussichtlich immer noch ein Plus von gut 2-1/2 Prozent.

Auftragsbestand 3,4 Mio. TEU – schwache Frachtnachfrage

Der Auftragsbestand betrug Ende Juni 2016 weltweit 422 Schiffe mit insgesamt 3,4 Mio. TEU. Beim Neubau ist der Trend in Richtung Riesenfrachter (wegen Ausbau Panamakanal) ist weiterhin erkennbar, so das ISL. „Etwa 79% der georderten Kapazität entfallen auf Schiffe mit mehr als 9.999 TEU, rund 41% entfallen auf den Bereich oberhalb von 15.999 TEU.“

Die Abbruchaktivität (Verschrottungen) werde sich aber bremsend auf das Flottenwachstum auswirken und bis ins Jahr 2017 hinein „ausgesprochen lebhaft bleiben“. Insgesamt ergäbe sich nach der ISL-Prognose für 2017 immer noch ein Kapazitätszuwachs von 2,7% - bei nach wie vor schwacher Nachfrageentwicklung. Dies wird weiterhin entsprechend negative Auswirkungen auf die erzielbaren Charterraten haben – insbesondere in der Größenklasse bis 4.250 TEU.

 

 

 

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