Aktuelle Rechtsfälle: König & Cie. MT "Cape Beale"

Weiterhin keine Ausschüttungen – Nur Tilgungen an die Bank

Die Anleger gehen weiterhin leer aus, eine durchgreifende Besserung ist nicht in Sicht: Laut Geschäftsbericht 2015 des Schiffsfonds MT "Cape Beale" (Emissionshaus: König & Cie.) lag die Poolrate im vergangenen Jahr mit rund 18.200 USD/Tag zwar höher als 2014, aber immer noch unter den Annahmen des Betriebsfortführungskonzepts. Und 2016 sanken die Pooleinnahmen auf nur noch 15.441 USD im Schnitt der ersten fünf Monate – im  Gesamtjahr könnten sie im Schnitt noch niedriger liegen, wie auf der Beiratssitzung Ende Juni verkündet wurde. Die Folge: Ein negativer Cash Flow bzw. eine Unterdeckung, weiter schwindende Reserven und - falls sich die Tendenz bei der Poolrate zum Jahresende hin nicht verbessert - "Gesprächsbedarf mit der finanzierenden Bank", so der Bericht des Beirats von Ende Juni 2016.

Beiratsvorsitz lässt Zweifel aufkommen

Wünschenswert wäre, wenn ein Beirat frühzeitig, kritisch und im Klartext über Fondskrisen informieren, die Interessen der vielen Anleger optimal vertreten und eine  Kontrollfunktion gegenüber der Fondsgeschäftsführung ausüben würde. Wenn ein Beirat zu sehr von der Initiatorenseite dominiert wird, ist das allerdings nach unserer Erfahrung kaum zu erwarten.

Vorsitzender des Beirats der MT "Cape Beale" Tankschifffahrts GmbH & Co. KG ist Manfred Nohr, der seit Jahren in leitender Position mitverantwortlich für das "Produktmanagement Fonds" der Deutschen Postbank AG war. Die Postbank hatte diesen Schiffsfonds aus dem Emissionshaus König & Cie. seinerzeit vertrieben. Nicht selten wurde diese hochriskante unternehmerische Beteiligung in der Beratung Anlegern empfohlen, die eigentlich eine sichere Anlage - teils auch zur Altersvorsorge - suchten.

Herr Manfred Nohr wurde von der Gründungsgesellschafterin/Komplementärin Bravo-Tanker Sechste Verwaltungs GmbH in den Beirat bestellt. Zwei der vier Geschäftsführer der Bravo-Tanker Sechste Verwaltungs GmbH, die am 26. Januar 2007 - wenige Monate vor Auflegung dieses Fonds - ins Hamburger Handelsregister eingetragen worden war, haben ihre Büroadresse unter c/o König & Cie. GmbH & Co. KG in Hamburg.

Wie schlimm steht es um den Fonds wirklich?

Die Berichte über die Geschäftsentwicklung von Fonds sind nach unseren Erfahrungen ohnehin oft zu positiv "gefärbt". Wir meinen: Wenn der Beiratsvorsitzende dem Finanzinstitut angehört, das den Fonds selbst vertrieben hat, ist erst recht zu befürchten, dass auch hier noch nicht das ganze Ausmaß des Desasters sichtbar ist. Die bisherigen Negativnachrichten könnten bei diesem Fonds erst die "Spitze des Eisbergs" sein. Nach unserer Einschätzung könnte es um diesen Fonds und um die Perspektiven für die Anleger noch schlimmer bestellt sein, als bisher "offiziell" dargestellt wurde. Wie dies oft endet, hat sich schon bei zahlreichen Schiffsfonds-Pleiten in den vergangenen Jahren gezeigt.

Wie geht es weiter?

Sollten Anleger noch irgendwelche Hoffnungen auf Ausschüttungen gehegt haben, so wurden sie jedenfalls weiterhin enttäuscht. Weder für das Geschäftsjahr 2015 noch für das Geschäftsjahr 2016 seien Auszahlungen möglich, heißt es im Geschäftsbericht 2015. Dies gilt nicht nur für die "Altgesellschafter" (Standard- und Vorzugskommanditisten), sondern auch für die Investoren, die im Rahmen der Kapitalerhöhung im Zuge des Betriebsfortführungskonzepts weitere Einzahlungen geleistet und daraus einen Vorabanspruch auf Gewinnauszahlungen haben. Hintergrund: Darlehenstilgungen an die Bank gehen vor.

Das heißt aus unserer Sicht: Die Bank hält sich schadlos, während die Anleger leer ausgehen. Nach unserer Einschätzung ist für die vielen Anleger nicht nur ein sehr hoher Verlust zu befürchten, sondern möglicherweise sogar ein Totalverlust.  

Anleger, die in diesen Fonds investiert haben, können Schadensersatzansprüche prüfen lassen – denn oft hat die beratende Bank nicht richtig oder unvollständig über die Risiken und/oder Kosten dieser Kapitalanlage informiert. Falls Sie Fragen haben bzw. weitere Informationen möchten, wenden Sie sich gerne an uns.

08.11.2016 von Ines Edling

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