Aktuelle Rechtsfälle: Schiffsfonds HCI Ocean Shipping I

HCI Fonds Ocean Shipping I GmbH & Co. KG

HCI Capital Ocean Shipping I: Vier der sechs Schiffe fahren Verluste ein

Das kürzlich (mit Schreiben vom 08.09.2014) von der Fondsgeschäftsführung vorgestellte Fortführungskonzept des HCI Ocean Shipping I zeigt das ganze Ausmaß der wirtschaftlichen Misere dieses Dachfonds. Demnach fahren vier der sechs Schiffe Verluste ein – d.h. sie können die Kosten von Schiffsbetrieb, -verwaltung und Kapitaldienst nicht decken! Drei Schiffe sollen zeitnah verkauft werden, lautet die Empfehlung des Konzepts. Dennoch wird bei einer Fortführung des Fonds bis 2017 (mit drei Schiffen) ein Gesamtkapitalrückfluss auf Dachfondsebene von 104,4% prognostiziert. Doch ist das realistisch?

Grunddaten des Ocean Shipping I

Der im Jahr 2005 emittierte Dachfonds umfasst die Beteiligung an sechs Zielfonds mit folgenden Vollcontainerschiffen: MS „Hammonia Bremen“, MS „Hammonia Jork“, MS „Serena P“, MS „JPO Canopus“ (vormals „JPO Cancer“), MS „JPO Capricornus“, MS „Letavia“). Von privaten Anlegern wurden rd. 138 Mio. US-Dollar Kommanditkapital eingesammelt; das Investitionsvolumen des HCI Fonds Ocean Shipping I lag bei insgesamt über 400 Mio. US-Dollar.

Handlungsempfehlungen und Prognosen seriös?

Die Dachfondsgeschäftsführung hatte vor einigen Monaten ein Fortführungskonzept bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Auftrag gegeben. Sie leitet daraus  mehrere Handlungsempfehlungen ab.

Erstens: Finanzielle Unterstützungen der Zielfondsgesellschaften durch den Dachfonds vermeiden;  erhaltene Ausschüttungen nicht wieder in die Zielfonds (als zusätzliche Liquidität) einlegen.

Zweitens: Die Dachfondsgeschäftsführung erwartet in 2014 für die LETAVIA eine durchschnittliche Poolrate zwischen 7.261 und 8.088 USD/Tag. Die durchschnittliche Nettopoolrate 2014 decke zwar die laufenden Schiffsbetriebs- und Verwaltungskosten, aber nicht die Fremdkapitalzinsen und Darlehenstilgungen. Auch in den nächsten Jahren sei – laut Fortführungsprognose – mit hohen Liquiditätsunterdeckungen zu rechnen. Nach Gesprächen mit der finanzierenden Bank (HSH Nordbank) über mögliche Tilgungsstundungen auch ohne weitere Gesellschafterbeiträge liege von der Bank noch keine Entscheidung vor. Die Bank werde aber zumindest einen unlimitierten Verkaufsbeschluss für die LEATVIA verlangen. Der prognostizierte Verkaufspreis von rund 17,5 Mio. USD reiche nicht aus, um alle nachlaufenden Kosten und Verbindlichkeiten zu decken.

Abstimmung über LETAVIA-Verkauf

Aktuell wird nun eine Abstimmung im schriftlichen Umlaufverfahren über einen vorsorglichen Verkaufsbeschluss für die LETAVIA (zeitnahe Veräußerung) durchgeführt.

Die JPO Canopus und die JPO Capricornus sind nur noch bis April 2015 zu 9.000 USD/Tag verchartert – danach ist, wenn man sich die Marktlage vor Augen führt, kaum mit höheren Raten zu rechnen. Die Liquiditätsreserven werden bei der JPO Canopus schon ab dem  4. Quartal 2014 aufgebraucht sein, bei der JPO Capricornus ab dem 1. Quartal 2015. Die Folge: Immer höhere Liquiditätsunterdeckungen. Man werde mit der Bank verhandeln, heißt es – sollte die HSH Nordbank jedoch keine Unterstützung signalisieren, „empfiehlt der Gutachter, mit ihr über einen geordneten Verkauf (ohne Insolvenz) zu verhandeln und die Schiffe zeitnah zu veräußern.“ Mit einem vorsorglichen Verkaufsbeschluss wie bei der LETAVIA könne man aber vorerst noch warten.

Lediglich die HAMMONIA JORK und die HAMMONIA BREMEN, bis Ende 2017 bzw. Anfang 2018 verchartert, erzielen Liquiditätsüberschüsse. Die Serena P (seit Juni 2014 neu verchartert zu 9.000 USD/Tag) wiederum generiert ebenfalls Liquiditätsunterdeckungen – spätestens 2016, eventuell früher, wären die Liquiditätsreserven aufgebraucht. Empfehlung: Markt beobachten, ggfls. Schiff verkaufen.

Zusammenfassend:

Die Geschäftsführung des Ocean Shipping I geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die LETAVIA und die JPO-Schiffe zeitnah verkauft und die beiden HAMMONIA-Schiffe bis mindestens Ende 2017 weiter betrieben werden. Bei der Serena P steht noch ein großes Fragezeichen.

Die Dachfondsgeschäftsführung legt in dem Konzept Rückflussberechnungen vor, wobei der niedrigste Gesamtkapitalrückfluss beim Verkauf aller Schiffe 2014 und Liquidation des Ocean Shipping I (66,9%) zu erwarten sei, bei Weiterbetrieb der Serena P und der HAMMONIA-Schiffe bis 2017 am höchsten (104,4%). Dazwischen liegt die Variante „Verkauf der Serena P im Jahr 2014, Weiterbetrieb der HAMMONIA-Schiffe bis 2017“ mit prognostiziert 101,2% Gesamtrückfluss.

Ob diese Berechnungen/Prognosen realistisch sind, ist nicht nachvollziehbar. Das Vertrauen in die Fondsgeschäftsführung ist ohnehin stark angeschlagen, und das Fortführungskonzept wirft erneut  Fragen auf. Schon in der Vergangenheit wurden Prognosen deutlich verfehlt! Ohne Zweifel jedoch verdient die HCI Treuhand an einer Fondsfortführung.

Was können Anleger tun ?

Vielen der Anleger wurde damals bei Zeichnung erklärt, es handle sich um eine sichere Anlage. Die Risiken wurden in der Beratung oft nicht ausreichend dargestellt, obwohl die Verlustrisiken hoch waren und sogar bis zum Totalverlustrisiko reichten. Auch wurde in vielen Fällen der Emissionsprospekt nicht rechtzeitig übergeben und/oder nicht über die von der Bank vereinnahmte Vertriebsprovision aufgeklärt.

Somit können sich aus verschiedenen Gründen Schadensersatzansprüche gegen die beratende Bank ergeben. Die Chancen müssen gleichwohl in jedem Einzelfall individuell geprüft werden. Wenn Sie weitere Informationen wünschen oder sich beraten lassen möchten – wir helfen Ihnen gerne weiter.

06.10.2014, von Ines Edling

HCI Ocean Shipping I: Prognosen klar verfehlt

Im Emissionsprospekt des 2005 emittierten Dachfonds wurde mit der Aussage geworben, dass für die Schiffe des Portfolios feste Charterverträge mit Laufzeiten zwischen fünf und zwölf Jahren abgeschlossen seien; die  durchschnittliche Ausschüttung wurde mit ca. 8,5% p.a. eingeplant, die Veräußerung der Schiffe im Jahr 2020 vorgesehen. "Attraktive Ausschüttungen konservativ kalkuliert", so warb der Prospekt. Was bei den erfahrungsgemäß starken Schwankungen in der Handelsschifffahrt und bei den Charterraten hier "konservativ" kalkuliert gewesen sein soll, ist die Frage. Die Versprechungen konnten jedenfalls nicht eingehalten werden, da sie nach unserer Auffassung von vornherein auf der Basis zu optimistischer Prognosen und verharmloster Risiken gemacht wurden.

Schriftliche Abstimmung bis 2. Mai 2014

In einem aktuellen Gesellschafterschreiben der HCI Treuhand SERVICE vom 10.04.2014 ruft sie die Gesellschafter zur schriftlichen Abstimmung bis 2.5.2014 laut Beschlussvorlage auf - u. a. zum Einverständnis über die Feststellung der Jahresabschlüsse des Dachfonds und der Zielfonds jeweils zum 31.12.2012 und zur Entlastung der jeweils persönlich haftenden Gesellschafterinnen des Dachfonds und der Zielfonds sowie des Gesamtbeirates – jeweils für das Geschäftsjahr 2012.

Dann wird mitgeteilt, dass die Kaufoption bei der "Hammonia Bremen" und "Hammonia Jork" verfallen sei. Hintergrund: Mit dem Charterer MSC war im Jahr 2012 eine Charterraten-Stundung von 30% für den Zeitraum von Mai bis Oktober 2012 sowie die Rückzahlung der gestundeten Beträge von rd. 1,8 Mio. USD pro Schiffsgesellschaft bis zum 28.06.2013 vereinbart. "Da die gestundeten Charterratenbeträge von MSC jedoch nicht innerhalb des vereinbarten Zeitraumes aufgeholt wurden, hat die ursprüngliche Kaufoption von jeweils 33 Mio. EUR + 9,95 Mio. USD ihre Gültigkeit verloren", heißt es in dem Schreiben an die Gesellschafter.

Entwicklung des Containerschiffsmarkts

Zu den Aussichten auf dem Containerschiffsmarkt heißt es in dem Bericht, dass von dem allgemeinen Flottenwachstum durch Neubauauslieferungen insbesondere die Containerschiff-Segmente über 5.000 TEU Tragfähigkeit betroffen seien. Das betrifft die drei Schiffe "Hammonia Bremen", "Hammonia Jork" und "Serena P". Zudem ist die "Letavia" (3.091 TEU) aufgrund der aktuellen, sehr niedrigen Charterrate von einer deutlichen Unterdeckung betroffen. Bereits Anfang 2013 war eine zweite Restrukturierung dieser Schiffsgesellschaft erfolgt. Leider ist auch nach Expertenmeinung eine nachhaltige Markterholung wegen des Überangebots bei Containerschiffen nicht in Sicht.

Die Chartereinnahmen der Zielfonds sind niedriger, die Schiffsbetriebskosten höher als im Prospekt des Ocean Shipping I prognostiziert: In dieser Zange befindet sich das wirtschaftliche Ergebnis des Dachfonds. Nur durch geringere Abschreibungen bei drei Schiffen (durch eine Verlängerung der Schiffsnutzungsdauer und eine Änderung der Abschreibungsmethode) bekommt es die Fondsgeschäftsführung hin, einen über der Prognose liegenden Jahresüberschuss zu ermitteln. Doch wie seriös ist diese Rechnungsweise? Wird hier etwas schöngerechnet?

Überkapazitäten / Hohe NeubauaBlieferungen

Immerhin offen gibt sich die Dachfonds-Geschäftsführung beim Ausblick: "Die Schifffahrtsmärkte befinden sich weiterhin in einer schwierigen Situation. Die in allen Segmenten vorherrschende Situation aus Überkapazitäten, anhaltend hohen Neubauablieferungen und geringen Charterraten war auch in 2013 bestimmend. Da sich das Wachstumstempo der Weltwirtschaft in 2013 verlangsamt hat, ist in 2014 das Potenzial für steigende Charterraten sehr begrenzt."

Bei drei der sechs Schiffe lief bzw. läuft 2014 der bisherige Chartervertrag aus. Die Einnahmesituation verschlechtert sich hierdurch deutlich. Ein weiteres Schiff (Letavia) befindet sich im Liquiditätspool, bei sehr geringer Charter. Nur noch zwei Schiffe profitieren von bis Ende 2017 bzw. Anfang 2018 laufenden und gut dotierten Festcharterverträgen.

Keine gute Perspektive

Für das Geschäftsjahr 2013 solle "zunächst" keine Ausschüttung erfolgen, so die Geschäftsführung des HCI Fonds Ocean Shipping I. "Voraussichtlich im zweiten Quartal dieses Jahres" will sie die Anleger ausführlich über die Ergebnisse der von ihr bei einem "unabhängigen sach- und branchenkundigen Dritten" in Auftrag gegebenen Fortführungs- und Verkaufsszenarien für die einzelnen Schiffe des Ocean Shipping I sowie die daraus resultierende Perspektive für den Dachfonds informieren (S. 13/14  in der "Dokumentation zur Gesellschafterversammlung – Geschäftsjahr 2012" vom 28.02.2014). Was kommt da auf die Anleger zu: Weitere Restrukturierungen, evtl. die Rückforderung von Ausschüttungen? Gutes lässt dies jedenfalls kaum erwarten!

Was tun ?

Vielen der Anleger wurde damals erklärt, es handle sich um eine sichere Anlage. Die Risiken wurden in der Beratung oft nicht ausreichend dargestellt, obwohl die Verlustrisiken hoch waren und sogar bis zum Totalverlustrisiko reichten. Auch wurde in vielen Fällen der Emissionsprospekt nicht rechtzeitig übergeben und/oder nicht über die von der Bank vereinnahmte Vertriebsprovision aufgeklärt. Aus verschiedenen, z. T. bereits genannten Gründen können sich Schadensersatzansprüche gegen die beratende Bank ergeben; die Chancen müssen gleichwohl in jedem Einzelfall individuell geprüft werden.

21.04.2014, von Ines Edling

Kontakt zu Ines Edling

Rechtsanwältin
Ines Edling
Tel.: 030 / 887178-264
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