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Verdacht auf Schneeballsystem bei Picam/Piccor

Im Anlageskandal um die Picam-Gruppe, die Piccor AG und Piccox ist mit einem großen Schaden für die Anleger zu rechnen. Rund 300 Mio. Euro hat die Vermögensverwaltung eigenen Angaben zufolge bei Anlegern eingesammelt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Verdacht: ein Schneeballsystem.

Der Verdacht, dass mit einem Schneeballsystem Anleger – dem Vernehmen nach sollen 2.000 bis 3.000 Investoren betroffen sein – betrogen wurden, führte nun Anfang Februar zu einer Razzia in Büros an verschiedenen Standorten in Deutschland (u. a. in Berlin und München) und in der Schweiz.  Wie das "Handelsblatt" berichtete, schätzt die Staatsanwaltschaft den möglichen Schaden für die Anleger (vorläufig) auf 87,6 Mio. Euro. Es ist damit zu rechnen, dass es zu mehreren Insolvenzverfahren kommen wird. Möglicherweise könnten dann Insolvenzverwalter gegenüber Anlegern, die bereits Auszahlungen erhalten haben, Ansprüche (Rückforderungen) erheben, um die Insolvenzmasse zu stärken.

Beschuldigt werden laut "Handelsblatt" insbesondere Picam-Vertriebschef Thomas Entzeroth (Berlin) und Peter Züllig, Verwaltungsrat bei der Piccor AG im schweizerischen Baar; zudem u. a. ein Wirtschaftsprüfer in Berlin und ein Bankmanager aus Leipzig. Den Anschuldigungen zufolge soll das Kapital der Anleger nicht wie versprochen investiert worden sein, sondern die Beschuldigten hätten es zwischen Konten, Unternehmen und Fonds zirkulieren lassen und dabei reichlich Provisionen kassiert. 

Hintergrund: Im Zusammenhang mit dem Picam-Unternehmensverbund und der Piccor AG aus der Schweiz wurde deutschen Anlegern eine Vermögensverwaltung angeboten, und zwar mit Finanztermingeschäften. Mit dem Handel von Dax-Futures sollten angeblich Renditen von bis zu 20 Prozent jährlich erzielt werden. Nachdem Piccor im Januar 2017 von der Schweizer Finanzaufsicht aber auf die Warnliste gesetzt wurde, sollen die Initiatoren versucht haben, die Anlegergelder (sie beliefen sich laut Angaben von Picam auf etwa 300 Mio. Euro) in eine Inhaberschuldverschreibung eines Emittenten namens Piccox umzuschichten. Es besteht der Verdacht, dass die Anleger dabei falsch beraten bzw. ihnen Fehlinformationen gegeben wurden. Ebenso gibt es den Verdacht, dass Gelder veruntreut wurden.

Genannt wird in diesem Zusammenhang auch eine Varian Defensive Capital GmbH als sog. Haftungsdach für entsprechende Berater und Vermittler. Diese – also Varian – hat Berichten zufolge am 6. Februar 2018 selbst eingeräumt, dass es in diesem Zusammenhang "Verstöße gegen den kommunizierten, aufsichtsrechtlich geforderten Prozess" gegeben habe. Varian war zuvor bereits von der zuständigen Aufsichtsbehörde die Lizenz zur Erbringung erlaubnispflichtiger Finanzdienstleistungen entzogen worden und hatte ihren Vermittlern gekündigt.

Picam, Piccor, Piccox, Varian:

Die Zusammenhänge in diesem Firmengeflecht sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Auch nicht, wie genau das Kapital fehlgeleitet wurde – angeblich sollen z. B. mehr als 72 Mio. Euro in Fonds der Luxemburger Gesellschaft Von der Heydt Invest geflossen und dann wiederum über Verbriefungsplattformen an verschiedene Firmen als Darlehen weitergeleitet worden sein.

Betroffene Anleger sollten in dem ganzen Verwirrspiel nun nicht weiter abwarten, sondern sich fachanwaltlich beraten lassen, um Schadensersatzansprüche prüfen und gegebenenfalls durchsetzen zu können. Wenn Sie Fragen haben – wir helfen Ihnen gerne weiter.

13.02.2018 von Mario Poberzin

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