MPC Rendite-Fonds Leben Plus III | Aktuelle Rechtsfälle

Prospektmangel beim MPC Rendite-Fonds Leben Plus III

Urteil: Sparkasse muss 96.000 Euro Schadensersatz plus Zinsen zahlen

Ein damals 58-jähriger Anleger hatte sich im August 2003 mit nominal 100.000 Euro an dem geschlossenen Fonds "MPC Rendite-Fonds Leben Plus III GmbH & Co. KG" beteiligt. Er strebte damit – wie viele andere Fondszeichner auch - eine Alterssicherung mit der Erzielung regelmäßiger wirtschaftlicher Rückflüsse an. Die erwarteten Ausschüttungen blieben aber größtenteils aus, und die  Fondsbeteiligung stellte sich als weit riskanter heraus als ursprünglich dargestellt. Der Anleger klagte auf Schadensersatz und erhielt nun vom Landgericht München Recht.

Begründung: Falschberatung auf Basis eines Prospektmangels. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der Emissionsprospekt suggeriert selbst für das Worst-Case-Szenario noch einen Kapitalerhalt zuzüglich Agio zuzüglich einer geringen Rendite, obwohl tatsächlich ein Totalverlustrisiko bei dieser Anlage zu sehen ist! Die Beratung durch die Sparkasse basierte u. a. auf diesen fehlerhaften Prospektangaben; das Landgericht sah darin eine schuldhafte Aufklärungspflichtverletzung.

Die beklagte Sparkasse, die den Anleger damals beraten hatte, wurde vom LG München im Dezember 2014 zu Schadensersatz in Höhe von 96.000 Euro zuzüglich Zinsen an den Anleger verurteilt. Zudem muss sie den Kläger von allen Schäden und Nachteilen, insbesondere etwaigen Nachhaftungspflichten, freistellen, die ihm aus der Beteiligung entstehen könnten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Anlagegegenstand des Lebenspolicen-Fonds war es, in deutsche Kapitallebensversicherungen zu investieren, die er zu diesem Zweck über den Zweitmarkt erwirbt. Der Erwerb der Versicherungspolicen erfolgte nicht nur über mittels des von den Fondszeichnern eingebrachten Eigenkapitals, sondern auch über die Aufnahme von Fremdkapital. Diese Fremdfinanzierung vergrößerte das Investitionsvolumen und sollte die Eigenkapitalrendite "hebeln", was aber nur gelingen kann, wenn die erwirtschaftete Rendite höher ist als die Kosten dieser Fremdfinanzierung. Anderenfalls gerät die Fremdfinanzierung zum Nachteil für die Anleger. Sie stellt deshalb ein erhebliches zusätzliches Risiko des Fonds dar, was jedoch in der Beratung seinerzeit verschwiegen  wurde.

Verkauf oft an ältere, sicherheitsorientierte Anleger

Dennoch wurden die Fondsbeteiligungen regelmäßig als besonders sichere Anlage insbesondere älteren Menschen, die zwecks Altersabsicherung regelmäßige Rückflüsse erzielen wollten, in der Beratung durch Banken und Sparkassen angeboten. Am Zweitmarkt für Fondsbeteiligungen wurde die Beteiligung im Laufe des Jahres 2014 nur noch mit 7% des ursprünglichen Wertes gehandelt.

Hohe Provisionen – Aufklärungspflicht verletzt

Gemessen am einzuwerbenden Kommanditkapital in Höhe von 47,65 Mio. Euro erhielt die MPC Münchmeyer Petersen Capital Vermittlung GmbH Provisionen von mindestens 12,6% (rund 6 Mio. Euro für Fremdkapitalbeschaffung und Einwerbung des Eigenkapitals). An anderer Stelle sind unter dem Stichpunkt "weiche Kosten des Fonds" diese mit 13.582.000 (8,25%) inkl. 5% Agio angegeben.

Der Kläger argumentierte, entgegen der Beratung und auch dem Prospekt eigne sich die Fondsbeteiligung nicht für die von ihm als Beteiligungszweck angegebene Alterssicherung. Sie sei nicht nur, anders als in Prospekt und Beratung dargestellt, nicht sicher, sondern unterliege sogar einem Totalverlustrisiko. Zudem habe die beklagte Sparkasse mindestens eine Provision von 9% der Beteiligungssumme der Fondsgesellschaft erhalten. Diese aufklärungspflichtigen Rückvergütungen seien ihm verschwiegen worden. Hätte er davon gewusst, zumal in solcher Höhe, hätte er diese Anlage nicht getätigt. Schließlich habe er so das Provisionsinteresse und somit den Interessenkonflikt der Sparkasse, von der er dachte, sie würde ihn allein in seinem Interesse beraten, nicht erkennen können.

09.01.2015

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