Aktuelle Rechtsfälle: Lebensversicherungsfonds Britische Kapital Leben

Lloyd Britische Kapital Leben I - VIII: Weit unter den Prognosen

Kapitalerhalt stark gefährdet – Von positiven Renditen keine Spur

Die vom Hamburger Emissionshaus Lloyd Fonds AG aufgelegten Fonds Britische Kapital Leben I bis VIII wurden während der Jahre 2004 bis 2007 vertrieben. Ziel der Fonds war bzw. ist es, in britische Zweitmarkt-Kapitallebensversicherungen zu investieren und diese anschließend am britischen Zweitmarkt für Lebenspolicen zu handeln. In den Emissionsprospekten hieß es damals z. B.: "Durch das ausgewogene Chancen- und Risiko-Verhältnis richtet sich dieses Angebot an rendite- und gleichzeitig sicherheitsorientierte Anleger."

Dieses Investment eigne sich sowohl für Anleger, die sich in der Phase des Vermögensaufbaus befinden, als auch für jene, bei denen die Substanzerhaltung im Vordergrund steht, hieß es. Geworben wurde in den Prospekten zudem mehrfach mit "hohem Chancenpotential" und "Sicherheit" und der Aussicht auf einen Gesamtmittelrückfluss von jeweils mehr als 200%. Die prognostizierten Gesamtauszahlungen über die ca. 14- bis 15-jährigen Fondslaufzeiten lagen zwischen 216 und 230 Prozent, bezogen auf die Kommanditeinlage ohne Agio.

Rückflusserwartungen nur noch bei etwa 1/3 der Anfangsprognosen

Soweit jedenfalls die Prognosen in den Emissionsprospekten. Doch heute sieht die Realität ganz anders aus: Statt einer "überdurchschnittlichen Rendite" wie angekündigt, stehen die Fondsbeteiligten heute vor der Frage, wie hoch ihre Verluste ausfallen werden. In Zwischenberichten bzw. in den Geschäftsberichten für 2013 heißt es, der Erhalt des eingesetzten Kommanditkapitals könne nicht sicher erwartet werden, erscheine aber "unter der Voraussetzung günstiger Rahmenbedingungen" weiterhin möglich. Tatsache ist, dass bei all diesen Policen-Fonds die Auszahlungen bislang weit hinter den Prognosen zurückbleiben und selbst bei günstigen Bedingungen lt. Fondsgeschäftsführung die Gesamtmittelrückflüsse bis zum jeweiligen Laufzeitende meist unter 100% erwartet werden; bei ungünstigen Bedingungen teilweise nur noch 52 oder 57%.

Es bestand, da die Anleger aus dem Euroraum kommen, von vornherein ein Währungsrisiko, da es sich um Anlagen in ein Policen-Portfolio auf Basis des britischen Pfunds handelte. Vor dem Hintergrund anhaltend niedriger Zinsen sind die Policen-Ablaufleistungsprognosen entsprechend rückläufig. Hier anschließend noch weitere Informationen zu einigen dieser Policen-Fonds:

LF 49 – Britische Kapital Leben I

Im Ausblick der Fondsgeschäftsführung vom August 2014 heißt es: "Unterstellt man die heutigen Rahmenbedingungen hinsichtlich Ablaufleistungsprognosen, Wechselkurs und Zinsniveau, ist ein Gesamtmittelrückfluss – inklusive der bereits getätigten Auszahlungen von insgesamt 38% - von rund 75% zu erwarten." Verglichen mit den prognostizierten 230% eine Katastrophe. Selbst bei günstigen Bedingungen erwartet die Geschäftsführung nur noch einen Gesamtmittelrückfluss von rd. 87%!

LF 66 – Britische Kapital Leben III

In ihrer "Zwischeninformation 2014" vom Februar 2014 berichtet die Fondsgeschäftsführung von 4% Auszahlung für 2013. In der bisherigen Fondslaufzeit blieben die Auszahlungen bislang deutlich hinter den Prognosen zurück.

Im Geschäftsbericht für 2013 vom August 2014 (wie auch in ähnlichen Geschäftsberichten anderer Policen-Fonds von Lloyd) heißt es u.a.: "Die Profitabilität des britischen Versicherungssektors bleibt aufgrund von Altlasten im Bestandsgeschäft und des schleppenden Wirtschaftswachstums unter Druck. Die Anlagerenditen der Versicherer sind im aktuellen Umfeld tiefer Zinsen bescheiden. … Der Erhalt des eingesetzten Kapitals kann aus heutiger Sicht weiterhin nicht sicher erwartet werden …."

Unter einer Fortschreibung der heutigen Bedingungen (Stand August 2014) sei - inklusive der bisherigen Auszahlungen von 16,5% - nur ein Gesamtmittelrückfluss von rund 75% zu erwarten. Bei einer Verschlechterung der Bedingungen würden die Rückflüsse noch erheblich niedriger ausfallen: 57,05%. Selbst wenn sich die Rahmenbedingungen deutlich verbessern sollten, wären laut Geschäftsführung nur rund 95% zu erwarten.

LF 72 – Britische Kapital Leben V

Laut Investitions- und Finanzierungsplan im Emissionsprospekt vom 20. Juni 2006 sollten bei Privatanlegern 25 Mio. Euro Emissionskapital eingesammelt (Erhöhungsoption 15 Mio.) sowie Darlehen von rd. 16,3 Mio. Euro aufgenommen werden, so dass sich ein Gesamtinvestitionsvolumen von rd. 41,3 Mio. Euro ergab. Prognostizierte Auszahlungen in der vorgesehenen Fondslaufzeit bis Ende 2021: rd. 221% der Kommanditeinlage (ohne Agio). Auch bei diesem Fonds blieben die Auszahlungen an die Anleger bislang deutlich hinter den Prognosen zurück.

LF 77 – Britische Kapital Leben VI

Emissionskapital 15 Mio. Euro (plus 10 Mio. Erhöhungsoption), Gesamtinvestition rd. 31,2 Mio. Euro. Die prognostizierten Auszahlungen (Gesamtmittelrückfluss bis Ende 2021) lagen hier bei rd. 222,5% bezogen auf das Kommanditkapital ohne Agio. Der kalkulierte Gesamtmittelrückfluss über die gesamte Laufzeit ist laut Fondsgeschäftsführung (Stand Juni 2014) nun aber nur noch zwischen 52,4 und 89,8% zu erwarten. Auch hier: Die Auszahlungen an die Anleger liegen bislang deutlich unter den Prognosen.

Chancen auf Schadensersatz

Viele Anleger wurden von ihrer Bank vor der Zeichnung der Fondsbeteiligung bezüglich der Risiken und Funktionsweisen des Fonds nicht ordnungsgemäß beraten. Zudem wurden die Fondszeichner häufig nicht richtig über die von der Bank vereinnahmten - und oftmals hohen - Rückvergütungen (Vertriebsprovisionen) informiert; ohne eine solche hinreichende Information konnten Anleger aber nicht die Verdienstinteressen der Bank bei der Vermittlung der Fondsbeteiligungen erkennen.

Schon einer der beiden genannten Punkte - Fehlinformationen bzgl. der Risiken bzw. der Rückvergütungen – reicht aus, um Schadensersatzansprüche gegen die Bank wegen fehlerhafter Beratung geltend machen zu können. Als sichere Altersvorsorge war diese Anlage – sollte sie Ihnen als solche empfohlen worden sein - keinesfalls geeignet. Die Anspruchsgrundlagen sowie die Chancen auf einen Klageerfolg müssen jedoch in jedem Einzelfall individuell geprüft werden.

Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich gerne an uns. Wir helfen Ihnen weiter.

04.03.2015, von Ines Edling

Kontakt zu Ines Edling

Rechtsanwältin
Ines Edling
Tel.: 030 / 887178-264
edling(at)kaelberer-tittel.de

Top Ansprechpartner