Aktuelle Rechtsfälle: Lombard-Fonds

Lombard-Fonds und eine BaFin-Warnung

Fondsbeteiligungen der Fidentum GmbH

Die Fidentum GmbH in Hamburg hat mehrere Beteiligungsanlagen bzw. Fonds emittiert, die mit dem Namensbestandteil Lombard aufgelegt wurden: SchroederLombard, LombardPlus, LombardClassic, LombardClassic2 und zuletzt LombardClassic3. Die Anleger konnten sich dabei an einer Anlagegesellschaft beteiligen, die das Geld wiederum als Darlehen an eine weitere Gesellschaft weiterreichte. Die Vermögensanlage bei den genannten Fonds erfolgt in Form von Stillen Beteiligungen an der Erste Oderfelder Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG, die das eingeworbene Kapital jeweils in Form von Darlehen an die Lombardium Hamburg GmbH & Co. KG, Hamburg, weiterreichte. Mit der Ausnahme des Fonds LombardClassic3: Hier erfolgt die Stille Beteiligung direkt an der Beteiligungsgesellschaft LombardClassic 3 GmbH & Co. KG.

Die Emissionsvolumina der einzelnen Fonds lagen laut Angaben der Initiatorin zwischen 12,4 Mio. und 79,2 Mio. Euro. Die Lombardium Hamburg GmbH & Co. KG ist ein Pfandleihhaus, das aus den Darlehensmitteln selbst Lombardkredite (bzw. Kredite gegen Pfand) vergibt und von seinen Kunden dafür angeblich "hochwertige" Pfandgegenstände erhält. Aus diesem Geschäft sollte eine Rendite erwirtschaftet werden, aus der sich auch die Rendite der Anleger speisen soll.

Die Anleger investierten demgemäß indirekt in das Lombardkreditgeschäft eines Hamburger Pfandleihhauses. Die prognostizierten Gewinnbeteiligungen (Renditen) wurden von der Initiatorin mit Werten zwischen 7,00 und 8,75 Prozent p.a. angegeben.

Keine Erlaubnis der Finanzaufsicht BaFin

Allerdings hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) der Lombardium Hamburg GmbH & Co. KG mit Bescheid vom 4.12.2015 aufgegeben, das ohne Erlaubnis betriebene Kreditgeschäft sofort einzustellen und die Darlehensverträge unverzüglich abzuwickeln. Denn das in Hamburg ansässige Pfandleihhaus belieh (auch) Inhabergrundschuldbriefe und Inhaberaktien, was ihm laut BaFin aber nicht erlaubt war. "Es betreibt hierdurch das Kreditgeschäft ohne die erforderliche Erlaubnis der BaFin", schrieb die Finanzaufsicht.

Problematische Konstruktion/Verflechtung

Aus unserer Sicht ergeben sich hier verschiedene Problematiken für die Anleger. Erstens sind durch die Verflechtungen der verschiedenen Gesellschaften - als Kreditgeber und Kreditnehmer -  Interessenkonflikte nicht auszuschließen. Nach unserer Einschätzung besteht hier eine erhebliche Intransparenz. Zweitens bestehen für Anleger hier die generellen Risiken einer unternehmerischen Beteiligung – gleichzeitig aber haben sie durch die Form der Stillen Beteiligung  nur sehr eingeschränkte Rechte. Der Hinweis der BaFin von Anfang Dezember lässt zusätzlich aufhorchen. Da wir bereits von verschiedenen Anlegern erfahren haben, dass sich die Rückzahlung ihrer Stillen Beteiligung verzögert hat: Handelt es sich möglicherweise gar um ein Schneeballsystem? Dies können wir in einem derart frühen Stadium noch nicht sicher einschätzen. Wir sehen allerdings doch einige Alarmzeichen.

Aus unserer Sicht scheint hier erhöhte Vorsicht geboten. Anleger, die geschädigt wurden oder mit einem Schaden rechnen, können sich gerne an uns wenden. Haftungsansprüche können gegebenenfalls nicht nur gegen die Fidentum GmbH als Anbieterin bzw. Prospektverantwortliche geltend gemacht werden; als Anspruchsgegner kommen evtl. auch die Lombardium Hamburg GmbH & Co. KG sowie die Treuhänderin – die HIT Hanseatische Service Treuhand GmbH – und die Isetreuhand GmbH sowie nicht zuletzt auch der jeweilige Anlageberater selbst in Betracht.

21.12.2015, von Dietmar Kälberer

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