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Wasserkraftfonds von Aquila Capital – Wahl zwischen "Pest und Cholera" am Bosporus

Der aktuelle Bericht der Fondsgeschäftsführung verheißt den Anlegern nichts Gutes. Ganz im Gegenteil: Die Handlungsoptionen "Kapitalerhöhung" oder "Verkauf der Wasserkraftgesellschaft" dürften den Anlegern erscheinen wie die Wahl zwischen Pest und Cholera!

Der Beirat der Fondsgesellschaft HydropowerINVEST II bewertet "nach Abwägung aller Fakten und … Informationen" das Chance-Risiko-Verhältnis zur Teilnahme an der vorgeschlagenen Kapitalerhöhung als "nicht attraktiv". Der Stromertrag liege weit hinter den Prognosen zurück, die politische Situation in der Türkei entwickele sich aus Investorenperspektive zunehmend ungünstig, eine Kapitalerhöhung gewähre immer noch keine ausreichende finanzielle Stabilität, etc. Ein Verkauf wahre zumindest die Möglichkeit, einen kleinen Teil des eingesetzten Kapitals zurückzuerhalten. Aber: "Die Gefahr eines Totalverlustes der investierten Gelder sehen wir auch im Fall eines positiv verlaufenden Verkaufsprozesses."

Da die Kreditgeber vorrangig bedient werden, bleiben den Anlegern aus diesem Wassergeschäft bestenfalls noch ein paar Tropfen.

Das heißt aus unserer Sicht: Das investierte Geld ist so oder so komplett oder zum allergrößten Teil verloren; man sollte dem verlorenen aber jetzt nicht auch noch frisches Geld  hinterher werfen.

Der Reihe nach:

Die türkische Wasserkraftgesellschaft Derya Electrik Üretimi ve Ticaret A.S. wird von zwei Fondsstrukturen gehalten, zu 74% von der Fondsgesellschaft HydropowerINVEST II und zu 26% von einem Fonds ("Co-Investor"), in dem institutionelle Investoren investiert sind. Kreditgeber der Wasserkraftgesellschaft ist die Akbank T.A.S. mit Sitz in Istanbul (ursprüngliche Kreditsumme: rd. 51 Mio. US-Dollar).

Die Fondsgeschäftsführung berichtet aktuell, dass aufgrund der "nach wie vor äußerst angespannten Liquiditätslage" die Anleger über eine Kapitalerhöhung bzw. alternativ den Verkauf dieser Wasserkraftgesellschaft abstimmen sollen. Die Kapitalerhöhung soll dazu dienen, die bestehenden Zwischenfinanzierungen inklusive aufgelaufener Zinsen in Höhe von rd. 21,9 Mio. Euro abzulösen.

Zum Kapitalerhöhungs-Szenario schreibt Aquila: "Da jedoch die zukünftige Produktionsleistung des Wasserkraftwerkes einerseits und die wirtschaftliche und politische Lage in der Türkei andererseits leider mit nicht unerheblichen Unsicherheiten behaftet sind, rät die Fondsgeschäftsführung zu einer sehr sorgfältigen Abwägung der Chancen und Risiken in Zusammenhang mit der Zeichnung von Neukapital." Zum Verkaufs-Szenario heißt es, man werde sich um eine zeitnahe Veräußerung bemühen; im Nachgang würde die Fondsgesellschaft dann abgewickelt.

Kurze Abstimmungsfrist bis 28.12.

Bei der Abstimmung (Stimmabgabe und Zeichnung der 21,9 Mio. Euro  bis spätestens 28.12.2017!) geht es laut Fondsgeschäftsführung um ein zweistufiges Verfahren: "Sollte das erforderliche Kapital … nicht gezeichnet bzw. eingezahlt werden, wird automatisch das Verkaufs-Szenario zur Anwendung kommen." Und zwar ein Verkauf zu "in der Türkei marktüblichen Konditionen", da die Wasserkraftgesellschaft "nicht in der Lage sein wird, ihren Zahlungsverpflichtungen angesichts des aktuell hohen Verschuldungsgrades nachzukommen". Und weiter: "Sollten Sie gegen die Restrukturierung stimmen, droht sowohl auf Ebene der Wasserkraftgesellschaft als auch auf Ebene der Fondsgesellschaft eine Insolvenz."

Klarer kann man einem Anleger nicht die Pistole auf die Brust setzen! Erfolgte Zeichnungen im Zuge der Kapitalerhöhung werden nur dann wirksam, wenn mit ausreichender Mehrheit für die Restrukturierung gestimmt und der vollständige Betrag von 21,9 Mio. Euro bis 28.12. gezeichnet wird. Der Co-Investor habe aber bereits kommuniziert, dass er an einer Kapitalerhöhung nicht teilnehmen werde, so dass der gesamte Betrag von den Anlegern der Fondsgesellschaft aufzubringen sei!

700 Euro auf dem Konto!

Man fragt man sich, warum die Fondsgeschäftsführung nun so spät mit solch einer kurzen Fristsetzung agiert. Will sie auf diese Weise einen Verkauf "provozieren"? Denn dass die Liquiditätslage sehr angespannt ist, worauf man mit kurzfristigen Zwischenfinanzierungen und danach noch mit einem neuen Akbank-Darlehen reagiert hat, ist schon länger bekannt. Die Mitteilung an anderer Stelle, der Kontostand der Fondsgesellschaft habe Ende September 2017 ca. 700 Euro (!) betragen, dürfte Anlegern wie der blanke Hohn erscheinen.

Völlig unsichere Verkaufsszenarien

Was bei einem Verkauf für die Anleger herauskommen könnte, bleibt völlig unklar. "Aufgrund der derzeitigen nach wie vor angespannten politischen und wirtschaftlichen Lage in der Türkei – u. a. Währungsschwankungen, wenige Transaktionen" sei eine belastbare Aussage über einen möglichen Verkaufserlös nur schwer zu treffen. Mehr Unsicherheit geht nicht!

Tatsache ist, dass die Kapitalstruktur der Wasserkraftgesellschaft extrem kreditlastig ist: Per 30.09.2017 standen (laut einem türkischen Gutachten) knapp 8,9 Mio. Euro Eigenkapital insgesamt rund 43,3 Mio. Euro Fremdkapital gegenüber. Das entspricht einer Fremdkapitalquote von rd. 83%!  In vier Szenarien mit unterschiedlichen Verkaufspreisen kommt die Fondsgeschäftsführung im besten Fall auf eine Auszahlung an die Anleger von rd. 25%, im schlimmsten Fall von 0%! Zwischen diesen beiden Extremwerten hat sie noch Szenarien mit 11% und mit 2% Auszahlung dargestellt.

Angesichts des Stands der Dinge müssen den Anlegern die beiden Handlungsoptionen – Kapitalerhöhung oder Verkauf – wie die Wahl zwischen Pest und Cholera erscheinen! Wir halten in Anbetracht der Überschuldung der Gesellschaft einen vorzeitigen Verkauf für das geringere Übel. Denn ob sich eine Kapitalerhöhung im Hinblick auf die wirtschaftlichen Ungewissheiten wirklich rentiert, ist aus unserer Sicht reine Spekulation.

Anleger sollten daher prüfen lassen, ob sie den Schaden nicht anderweitig geltend machen können, um sich ganz schadlos zu halten. Zu möglichen Schadensersatzansprüchen und anderen Fragen wenden Sie sich gerne an uns – wir helfen Ihnen weiter!

15.12.2017, von Ines Edling

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