Victory Media AG

Die Victory Media AG, Kaufbeuren, hat am 6. November 2006 Insolvenz beantragt. Das Unternehmen begründet den Antrag mit zwei verlorenen Schadensersatzprozessen, die von der EM.TV AG aus Unterföhring angestrengt worden waren. Die ehemaligen Geschäftspartner hatten die Victory Media auf Zahlung von ca. sechs Millionen Euro verklagt und obsiegt.

Die Staatsanwaltschaft Kempten bestätigte Medienberichte, nach denen gegen Verantwortliche der Victory Media wegen des Verdachts auf Betrug, Untreue und Steuerhinterziehung ermittelt wird. Laut SPIEGEL gibt es elf Beschuldigte. Es handelt sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft "um ein Konglomerat von 30 Firmen". Dabei sollen bereits Rechtshilfeersuchen nach Italien und an die Niederlande gegangen sein. Nach Insiderinformationen steht unter anderem ein Produktions-Unternehmen in Amsterdam im Fokus der Ermittlungen, die Global Entertainment Production Holland BV, dessen Muttergesellschaft im karibischen Urlaubsparadies Curacao residiert. Angeblich schuldet Global den Fonds hohe Summen. Wirtschaftsprüfer sollen festgestellt haben, dass die Jahresabschlüsse "fast ausschließlich aus Forderungen" gegen Global bestanden. Auf Gesellschafterversammlungen war bereits bemängelt worden, dass der Initiator zusammen mit in- und ausländischen Geschäftspartnern ein undurchsichtiges Firmengeflecht aufgebaut hatte, in dem insbesondere bei der Verteilung von Vertriebsprovisionen "Unregelmäßigkeiten" aufgetreten sein sollen. Ohne Zwischenschaltung von Global hätten die enormen Vertriebsprovisionen eingespart werden können. Anleger berichten, sie seinen auf Gesellschafterversammlungen von Fonds-Geschäftsführern aufgefordert worden, auf Ansprüche gegen Global  zu verzichten. Mittlerweile wird vermutet, Global sei nur eine "Briefkasten-Firma".

Nach Angaben des Branchendienstes Cash-Online gehört die Victory-Gruppe zu den ältesten Initiatoren von Medienfonds. Nach einer im Jahr 2004 vorgelegten Leistungsbilanz habe sie seit 1994 Medienfonds mit einem Volumen von insgesamt 350 Millionen Euro aufgelegt. Cash-Online schreibt weiter: "Bis Ende 2004 haben die Fonds insgesamt allerdings nur 24 Prozent des investierten Kapitals durch Ausschüttungen zurückgeführt; 20 der 22 schütteten für 2004 gar nicht aus. Zudem wurde über Probleme der steuerlichen Anerkennung berichtet."

Konkret soll das Finanzamt München nach einer Betriebsprüfung die steuerlichen Verluste der Victory Media Fonds 2 bis 6 aberkannt haben.

Hier sind Parallelen zu weiteren aktuellen Rechtsfällen erkennbar. Auch Anlegern der VIP-Medienfonds steht offenbar die Aberkennung der steuerlichen Vorteile ins Haus. Die Attraktivität der Fonds für Anleger in hoher Steuerprogression begründete sich vor allem darin, dass die Kommanditbeteiligung voll als steuerlicher Verlust geltend gemacht werden konnte. Allerdings ist umstritten, in welcher Höhe die Fonds in die Produktion von Filmen investierten. Bei den VIP-Medienfonds sollen zum Beispiel gleich 80 Prozent an die garantiegebenden Banken geflossen sein.

Neben der Aberkennung der steuerlichen Verlustzuweisungen sind auch Nachschussverpflichtungen für die Investoren der Victory Media Fonds nicht auszuschließen. Der Initiator selbst hat inzwischen seinen Vorstandsposten bei der Victory Media AG sowie seine Geschäftsführertätigkeit bei weiteren Victory-Unternehmen an seinen Schwiegersohn beziehungsweise seinen Neffen abgegeben. Innerhalb der Gruppe sind auffällig viele Positionen mit Verwandten und engen Familienmitgliedern des Fondsinitiators besetzt.

Fachleute gehen inzwischen davon aus, dass Anleger keine Rückflüsse mehr aus ihrem Engagement erwarten können und möglicherweise sogar in Höhe der aus dem Eigenkapital gezahlten Ausschüttungen in Haftung genommen werden.

Wir vertreten bereits zahlreiche Mandanten, für die wir Schadensersatzansprüche prüfen.